Pony Haltung: Warum ich mich für einen Welsh Cob entschieden habe

Nicht nur einmal musste ich mir anhören: „Warum hast du dir eigentlich kein richtiges Pferd gekauft?“ „Hat dein Geld nicht für ein großes Pferd gereicht?“ Daraufhin kann ich nur müde lächeln. Meine Entscheidung für ein Pony hatte zunächst rein praktische und körperliche Gründe.

Warum habe ich mich für ein Pony entschieden?

Ich kann euch an dieser Stelle sagen, ich bin stattliche 1,56 m und habe noch dazu unwahrscheinlich kurze Beine, die es mir mein Leben lang schier unmöglich machten, auf ordentliche Weise auf ein ausgewachsenes Warmblut einzuwirken. So habe ich ein Leben lang mit einem Pony geliebäugelt und mich auf den Kleinpferden stets am wohlsten gefühlt. Doch viele der Kleinpferderassen wie zum Beispiel das Reitpony waren mir mit meinen erwachsenen Proportionen zu schmal und zu dünn.

Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass ein schmales Reitpony in der Lage ist, mich als Erwachsener ordentlich zu tragen. Ich möchte an dieser Stelle keine Diskussion entfachen, wie viel ein Reiter wiegen darf und wie er auf welchem Pferd zum Sitzen kommt. Meiner Meinung nach entscheidet nach der Optik das Bauchgefühl. So kann ich mich auch auf einen ausgewachsenen Welsh D, wie es mein kräftiger Kerl ist, nicht mit über 80 Kilo setzen.

Pony versus Pferd – mehr als nur der Größenunterschied

Grundsätzlich besteht zwischen Pferden und Ponys nicht nur der Größenunterschied, sondern auch ein grundlegend anderer Charakter. Dennoch haben wir es mit Fluchttieren und Bewegungstieren zu tun, die in der Herde bis zu 16 Stunden am Tag in Bewegung sind, um unentwegt Futter aufzunehmen. Pferde und Ponys sind Herdentiere. Sie leben im sozialen Gefüge mit anderen Tieren zusammen – idealerweise mit bis zu 12 Ponys. Hier klären die Ponys untereinander die Rangordnung, so dass sehr schnell feststeht, wer der Chef ist und wer zu der Gruppe der rangniederen Ponys gehört.

Mit der Ponyhaltung schränken wir unsere Tiere im direkten Vergleich zur natürlichen Lebensform auf jeden Fall ein. Wir sollten darauf achten, dass wir den Bewegungsraum nicht auf ein Mindestmaß herunterfahren. Das macht jedes Pony auf Dauer krank.

Mein Welsh D Vampi zeigt mir ganz deutlich, wenn er zu viel Energie hat und gar nicht mehr weiß, wo er damit hin soll. Er gehört zu den typischen Welsh Cobs, die intelligent und einfallsreich ihren Tag verbringen und sich immer wieder eine neue Beschäftigung suchen – teilweise zum Leidwesen seiner boxen Nachbarn.

Angst vor Verletzungen auf der Koppel oder in der Herde?

Viele haben Angst, dass ihre Pferde und Ponys in der Gruppe Verletzungen davontragen, wenn sie von ranghöheren Herdentieren unterdrückt, gebissen und getreten werden. Doch der häufigste Grund für böswillige Verletzungen ist oftmals der fehlende Platz. Haben die Pferde eine große Koppel zur Verfügung, können sie sich aus dem Weg gehen. Das bedeutet ganz einfach: Wenn das ranghöchste Pony droht, kann das rangniedrigere Pony aus dem Weg gehen und das Feld räumen.

Über die folgenden Wochen und Monate festigt sich diese Rangordnung und nach den ersten Konflikten auf der Herde sollte sich schnell ein ruhiger Zustand einstellen. Gerade wenn ein neues Pony dazukommt, solltet ihr diesem Neuling genügend Freiraum einräumen, um der Herde aus dem Weg zu gehen und sich Stück für Stück zu integrieren. Oftmals fällt es uns Ponyhaltern gar nicht so einfach, ruhig zu bleiben. Doch habt ein bisschen Vertrauen zu euren Tieren, sie werden es ganz allein klären.

Grundsätzlich unterscheiden wir drei verschiedene Ponyhaltungsformen.

Boxenhaltung

Hier halten sich Ponys und Kleinpferde in einer Box auf, die mindestens auf ein Gesamtmaß von 3 × 3 m kommen sollte. Zudem sollten die Pferde Augenkontakt zu ihren Artgenossen halten können. Der optimale Stall ist gut gelüftet, hell und keinesfalls staubig und dunkel.

Ihr solltet Wert darauf legen, dass euer Pony ganzjährig Auslauf bekommt. Im Sommer steht den meisten eine Koppel mit Gras zur Verfügung. Besondere Beachtung gilt dem Aufweiden jedes Jahr, denn das frische Gras lässt die Gefahr von Huferehe ansteigen. Hier ist es sinnvoll, gerade die Ponys und die Jungpferde auf einer Weide erstmal einmal für ein paar Minuten stehen zu lassen. Im Winter besteht oftmals nicht die Möglichkeit, sein Pony auf die Koppel zu bringen. Hier eignen sich Ausläufe, die auch als Paddocks bezeichnet werden und mit Sand sowie Kies gefüllt sind. Hier können Ponys und Kleinpferde mit ihren Artgenossen toben und herumtollen und stehen an der frischen Luft.

Noch einmal sollte deutlich gemacht werden. Es geht im Paddock nicht in erster Linie darum, dass dein Pony galoppieren, steigen und buckeln kann. Es soll die nötige Abwechslung erfahren. Schließlich war es in der Herde über den gesamten Tag hinweg vornehmlich im Schritt unterwegs. Ponys, Kleinpferde und Pferde sind Sozialwesen. Stehen sie 23 Stunden am Tag in der Box und werden täglich 1 Stunde in der Halle oder im Gelände bewegt, widerspricht das der natürlichen Pferdehaltung.

Pony Haltung im Laufstall

In einer großen Box, in der mehrere Ponys zusammenstehen, ist von einem Laufstall die Rede. Hier genießen die Kleinpferde am besten den ganzen Tag ununterbrochenen Auslauf. Dennoch sollten Ponyhalter jedem einzelnen Herdenmitglied die Möglichkeit geben, individuell Futter aufzunehmen.  Die Ponys selbst entscheiden, ob sie sich drinnen oder draußen aufhalten. Sie nehmen im Sommer Gras auf und genießen im Winter die frische Luft auf den Sand-Paddocks.

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Robusthaltung in einem Offenstall

Diese Pony Haltung ist wohl die natürlichste. Hier können die Kleinpferde jede Jahreszeit draußen verbringen. Dafür benötigen Ponybesitzer einen festen Unterstand, der über mehrere Ausgänge verfügt. So können sich die Herdenmitglieder bei Rangeleien schnell aus dem Weg gehen. Zudem sollte der Unterstand groß genug sein, so dass sich jedes Pony bequem hinlegen kann.

Zum Einstreuen verwenden die meisten beim Offenstall Späne oder Stroh. Im direkten Vergleich zur Boxenhaltung muss der Offenstall ebenso häufig gemistet und von Pferdekot und Resten befreit werden. Zudem sollte hier eine individuelle Futteraufnahme wie im Laufstall gewährleistet sein. Besonders praktisch sind überdachte, runde Heuraufen, in denen gleich mehrere Ponys auf einmal am Futterplatz fressen.

Matsch, Wind und Wetter in Herbst und Winter

Gerade im Winter und im Herbst stellt sich ein nasskaltes Wetter ein. Darunter leidet mitunter der Boden direkt vor dem Offenstall. Hier solltest du Rindenmulch einsetzen, denn diese leistet sehr gute Dienste. Zudem empfiehlt es sich, in direkter Umgebung zum Stall ausreichend große Bäume zu pflanzen. Diese gelten bei schlechtem Wetter als Witterungsschutz und im Sommer als Schattenspender. Du wirst bei den Ponys beobachten, dass sie sich über die gesamte Zeit hinweg eigentlich draußen aufhalten und es genießen, im Regen außerhalb des Stalles zu stehen. Aber auch hier gibt es unterschiedliche Charaktere.

Wo lebt mein Welsh Cob?

Mein Welsh D Vampi hat zum Beispiel mit Regen keinerlei Probleme. Er stapft fröhlich durchs Gelände. Andere Pferde in unserem Stall sind da schon viel feinfühliger und haben so gar keine Lust bei Regen nach draußen zu gehen. Ich selbst hätte mir für mein Pony eine Offenstallhaltung gewünscht, doch leider in meiner Umgebung nicht die Möglichkeiten und keine vergleichbaren Ställe zur Verfügung. Von daher habe ich mich für eine Boxenhaltung entschieden und sorge dafür, dass mein Cob regelmäßig nach draußen kommt. So gibt es auf unserem Reiterhof große Koppeln, insgesamt zwei Hallen, die auch zum Auslaufen genutzt werden, sowie Paddocks.

Welcher Haltung passt zu meinem Pony?

Welche Pferdehaltung nun die Richtige für dein Pony ist, solltest du selbst entscheiden. Nur eines sollte an dieser Stelle feststehen: Die meisten Probleme und Beschwerden im Verhalten und in der Gesundheit sind auf eine fehlerhafte Haltung zurückzuführen. So entwickeln einige Ponys Atembeschwerden, da sie in viel zu stickigen und staubigen Boxen stehen. Andere laufen unentwegt durch die Box, lecken ununterbrochen an der Wand oder beginnen zu weben. All dies sind Unarten, die aufgrund von Langeweile auftreten. Hier sollten die Alarmglocken aller Ponyhalter schrillen, etwas Grundlegendes zu ändern.

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